Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Fehlender Bedarf

Theaterwerkstatt wird trotz Sparauftrag größer

Neue Werkstätten für Theaterkulissen in Stuttgart kosten 127 Millionen Euro und sind nach dem Sparauftrag 284 Quadratmeter größer

Was ist passiert?

Die Württembergischen Staatstheater werden saniert, modernisiert und erweitert. Ein Teil davon betrifft die Dekorationswerkstätten, in denen Kulissen gebaut, bemalt und genäht werden. Sie sollen dauerhaft aus dem Oberen Schlossgarten an den Standort Zuckerfabrik in Bad Cannstatt ziehen. Stadt und Land teilen sich die Kosten, die Stadt trägt grundsätzlich die Hälfte.

Im September 2025 legte die Verwaltung dem Gemeinderat den Projektbeschluss vor. Der Neubau soll rd. 127 Mio. Euro kosten, auf die Stadt entfallen rd. 63,5 Mio. Euro. Bei 8.701 Quadratmetern Nutzfläche sind das rund 14.600 Euro je Quadratmeter Werkstatt, Büro oder Lager (127 Mio. Euro geteilt durch 8.701 Quadratmeter).

Zuvor hatte es einen Prüfauftrag zur Flächenreduzierung gegeben. Er brachte vor allem Verzögerungen. Die Nutzfläche liegt nun 284 Quadratmeter über dem genehmigten Bedarf, was die Verwaltung als „optimiert“ bezeichnet. Die Raumliste zeigt, wo gewachsen wurde: Die Teeküche der Schlosserei hat 24 statt 10 Quadratmeter, mehrere Toiletten gut 10 statt 4 Quadratmeter. Einige Zwischenlager für Dekorationen schrumpften dagegen um fast zwei Drittel.

Um die verlorene Zeit aufzuholen, soll der Gemeinderat schon auf Grundlage der Vorplanung entscheiden. Vertraglich vereinbart war die genauere Entwurfsplanung. Die Kosten sind damit nur geschätzt, nicht berechnet. Wesentliche Abweichungen erwartet die Verwaltung trotzdem nicht, denn dafür gebe es die Risikovorsorge von 22,5 Mio. Euro. Das ist fast ein Viertel der eigentlichen Projektkosten von 94,9 Mio. Euro.

Dazu kommt ein Beschluss auf Vorrat. Der Gemeinderat soll Geld für die Verlegung von Fernwärme- und Mittelspannungsleitungen freigeben, obwohl die Stadt nach eigener Auffassung gar nicht zahlen muss. Man wolle vorsorgen, falls es „wider Erwarten“ doch anders kommt.

Kritik

Wer einen Auftrag zur Flächenreduzierung bekommt, sollte nicht mit größeren Teeküchen und Toiletten zurückkehren. Bei rund 14.600 Euro je Quadratmeter Nutzfläche schlägt jeder zusätzliche Quadratmeter spürbar auf die Kosten durch, die Stadt und Land gemeinsam tragen. Eine Entscheidung über 127 Mio. Euro auf Basis einer bloßen Schätzung, gepolstert mit einem Puffer von 22,5 Mio. Euro, schiebt das Risiko den Steuerzahlern zu. Wer zudem Geld für Kosten freigibt, die er nach eigener Ansicht nicht schuldet, schwächt seine Position gegenüber den Leitungsbetreibern.

0927/2025 BV: Sanierung, Modernisierung und Erweiterung der Württembergischen Staatstheater Teilprojekt Zuckerfabrik - Projektbeschluss -, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 23. September 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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