Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Fehlender Bedarf

Zweiter Stuttgart-Schriftzug für 470.000 Euro

Stuttgart lässt für 470.000 Euro einen größeren Schriftzug bauen, obwohl schon einer steht, dazu kommen Pflegekosten, die niemand beziffern kann

Was ist passiert?

Wer im Herbst 2025 durch die Stuttgarter Königstraße lief, kam an einem frisch montierten Stuttgart-Schriftzug vorbei. Die städtische Stuttgart Marketing GmbH hatte das Sign dort aufstellen lassen, nachdem es im Jahr zuvor bereits Fans der Fußball-Europameisterschaft begrüßt hatte. Die Stadt hatte also schon einen Schriftzug für Fotos.

Der CDU reichte das nicht. Unter dem Titel „Tourismus in Stuttgart entfesseln“ beantragte sie für den Doppelhaushalt 2026/2027 einen neuen Schriftzug: mobil, größer und technisch anspruchsvoller. Er soll bei der Eröffnung von Stuttgart 21 und bei der IBA 2027 werbewirksam glänzen und danach auf dem Marktplatz sein „Zuhause“ finden. Wo genau dort Platz ist, ohne die zahlreichen Veranstaltungen zu stören, muss erst noch gesucht werden.

Als Rahmen sind 470.000 Euro gesetzt. Das Geld soll reichen, um den Schriftzug in den ersten Jahren an verschiedenen Orten aufzustellen, die Montage eingerechnet. Bei neun Buchstaben macht das gut 52.000 Euro je Buchstabe (470.000 Euro geteilt durch 9).

Damit ist es allerdings nicht getan. Die Verwaltung schrieb in ihrer Stellungnahme selbst von „erheblichen laufenden Kosten“: Reinigung, Reparaturen, Versicherung, Energie, Wartung und Projektkoordination. Zahlen müsste sie die Stadt zusätzlich. Wie hoch diese Kosten Jahr für Jahr ausfallen, konnte die Stuttgart Marketing GmbH nicht einschätzen. Im regulären Zuschuss der Stadt an die Gesellschaft ist dafür nichts eingeplant, das Geld müsste über einen Sonderzuschuss fließen.

Abschreckend wirkte das nicht. Der Gemeinderat behandelte den Antrag am 19.12.2025 in der dritten Lesung zustimmend.

Kritik

Eine Stadt, die gerade erst einen Schriftzug aufgestellt hat, braucht keinen zweiten für fast eine halbe Million Euro. Wer ein Prestigeobjekt bewilligt, obwohl die eigene Verwaltung erhebliche Folgekosten ankündigt, die niemand beziffern kann, schiebt die eigentliche Rechnung in künftige Haushalte. Der vorhandene Schriftzug hätte für Bahnhofseröffnung und Bauausstellung genügt. Touristen kommen wegen der Stadt und nicht wegen größerer Buchstaben.

1352/2025 AN HH-SN 01: Stuttgart-Sign: Tourismus in Stuttgart entfesseln, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 19. Dezember 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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