Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Fehlender Bedarf

Zwölf Zimmer für 3,2 Millionen Euro

Stadt und Land wollen in Stuttgart-Kaltental ein Denkmal zu zwölf Zimmern umbauen, samt Aufzug, den der Nutzer nicht braucht

Was ist passiert?

Kaltental ist ein Stadtteil im Süden Stuttgarts. In der Burgstraße steht dort die Alte Meierei. Sie wurde 1619 als Verwaltungsgebäude der Burg Kaltental errichtet und ist damit das älteste Haus im Ort. Seit Ende der 1980er Jahre wohnt niemand mehr darin, das Denkmal verwahrloste und wurde immer wieder beschädigt. 2020 kaufte die Stadt das Grundstück im Rahmen eines Sanierungsgebiets, um das Gebäude für gemeinnützige Zwecke herzurichten.

Inzwischen gibt es eine Nutzungsidee, zumindest auf dem Papier. Das Blaukreuz-Zentrum Stuttgart will in dem Haus ehemals Suchtkranke auf dem Weg zurück in ein eigenständiges Leben unterbringen. Wegen der geschützten Grundrisse passen genau zwölf Wohnplätze hinein. Die Zimmer messen zwischen 14,8 und 24,5 Quadratmeter, Bad und Küchenzeile eingerechnet. Zwölf Plätze sind exakt die Untergrenze, die der Träger nach eigener Aussage aus finanziellen und betrieblichen Gründen braucht. Lieber wären ihm 13 bis 15. Einen Mietvertrag gibt es bisher nicht, nur eine Absichtserklärung.

Die Architekten schätzen die Kosten auf rund 3,2 Mio. Euro brutto. Auf zwölf Plätze verteilt sind das rund 267.000 Euro je Wohnplatz (3,2 Mio. Euro geteilt durch 12). Stadt und Land teilen sich die Rechnung über das Landessanierungsprogramm.

In der Summe steckt auch ein neuer Aufzug anstelle eines Zwischenbaus aus dem Jahr 1959: 85.000 Euro für die Anlage und 59.500 Euro für den Schacht, zusammen 144.500 Euro netto. Der künftige Betreiber hat erklärt, dass er weder einen barrierefreien Zugang noch einen Aufzug benötigt. Gebaut werden soll er trotzdem, der Nutzungsflexibilität wegen. Dabei hält die eigene Flächenuntersuchung fest, dass wegen der Hanglage schon die Fußwege im Stadtteil nicht barrierefrei sind. Auch mit Aufzug wäre das Haus nur teilweise barrierefrei erschlossen.

Im ersten Schritt sollte der Gemeinderat im Juni 2026 Planungen für bis zu 250.000 Euro freigeben. Fertig werden soll das Haus Ende 2032, ein Jahr bevor das Sanierungsgebiet aufgehoben wird.

Kritik

Ein Aufzug, den der einzige Interessent ausdrücklich nicht braucht, gehört nicht in ein Haus, dessen Zugangswege ohnehin nicht barrierefrei sind. Rund 267.000 Euro Steuergeld je Wohnplatz sind nur zu vertreten, wenn der Betrieb gesichert ist, und dafür reicht eine Absichtserklärung nicht aus. Bevor Stadt und Land weiter planen, muss ein verbindlicher Mietvertrag vorliegen. Außerdem sollte die Planung auf das Notwendige beschränkt werden.

0375/2026 BV: Sanierung Stuttgart 31 -Kaltental- Modernisierung und Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes „Alte Meierei“, Burgstr. 34 Vorprojektbeschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 19. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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