Ulm baut teure Extraspur für Umleitung
Ulm will für eine Umleitung wegen einer Brückenbaustelle eine zweite Spur für 1 Million Euro extra, obwohl laut Stadt eine Spur reicht
Was ist passiert?
Im Ulmer Norden steht die Erneuerung der B 10 an. Während der Arbeiten an der Wallstraßenbrücke und am Blaubeurer-Tor-Tunnel wird die Bundesstraße stadteinwärts gesperrt. Ein Teil des Verkehrs soll dann über die Stuttgarter Straße ausweichen. Dort will die Stadt Ampeln anpassen, neue Bushaltestellen bauen und eine Busspur anlegen.
Für den Autoverkehr legte die Verwaltung im Februar 2025 zwei Varianten vor. Variante 1 behält eine Spur je Richtung und kostet 2,302 Millionen Euro. Variante 2 schafft stadteinwärts eine zweite Spur und kostet 3,323 Millionen Euro, also rund 1,02 Millionen Euro mehr. Den Großteil der Differenz macht eine neue Fahrbahndecke zwischen Wilhelmsburgkaserne und Heidenheimer Straße für 867.000 Euro aus. Die Verwaltung empfiehlt Variante 2 und verweist auf den kürzeren Rückstau am Morgen: zweimal 90 statt 550 Meter. Im selben Papier steht allerdings auch, dass die Leistungsfähigkeit bei beiden Varianten gegeben wäre. Die zweite Spur endet zudem an der Eythstraße, weil dahinter kein Platz ist. Dafür fällt der Parkstreifen am Friedhof weg.
Bezahlt ist das Vorhaben nur zu einem kleinen Teil. Im Haushalt 2025 standen 950.000 Euro bereit, knapp 29 Prozent der Summe. Weitere 1,05 Millionen Euro sollen als Zwischenfinanzierung aus dem Projekt Wallstraßenbrücke kommen. Das Geld wird also ausgerechnet bei jener Baustelle geborgt, deren Folgen die Umleitung abfedern soll. Für die übrigen 1,323 Millionen Euro im Jahr 2026 war in der Finanzplanung bislang nichts vorgesehen.
Auch auf Dauer kostet die große Lösung mehr. Variante 2 belastet den Haushalt mit 225.408 Euro im Jahr, Variante 1 mit 156.160 Euro. Über die angesetzten 20 Jahre summiert sich der Unterschied auf knapp 1,39 Millionen Euro (69.248 Euro mal 20). Über den Baubeschluss sollte der Gemeinderat am 19. März 2025 entscheiden.
Kritik
Wenn die Verwaltung beiden Varianten genug Leistungsfähigkeit bescheinigt, ist ein Aufpreis von einer Million Euro für eine Umleitungsstrecke nicht zu rechtfertigen. Ob die Straße eine neue Decke braucht, ist eine eigene Frage und gehört in ein eigenes, ordentlich finanziertes Projekt, nicht als Beigabe in eine Baustellenlösung. Wer nicht einmal ein Drittel der Summe im Haushalt hat, sollte die günstigere Variante wählen, statt bei der Brückenbaustelle zu borgen und auf künftige Haushalte zu hoffen.
GD 087/25: Ertüchtigung Umtleitungsstrecken B10 - Ertüchtigung Stuttgarter Straße, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 11. März 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.