Staatsbilanz

Stadt/Ulm/Fehlender Bedarf

Ulm schmückt Fußgängerzone für 572.000 Euro

Ulm verschiebt den Umbau seiner Fußgängerzone aus Geldnot, zahlt aber für eine Übergangslösung mit Bäumen in Kübeln und Stühlen 572.000 Euro

Was ist passiert?

Bahnhofstraße und Hirschstraße bilden die zentrale Fußgängerzone von Ulm. Sie führen vom Hauptbahnhof zum Münster und sind die meistbesuchte Einkaufslage der Stadt. Seit 2020 arbeitet die Stadt an ihrer Neugestaltung, mit öffentlichem Dialog, Wettbewerb und Projektbeschluss. Im März 2025 kam die Vollbremsung: Wegen Landesgartenschau, B10-Umbau und angespannter Haushaltslage soll der Umbau erst nach 2030 kommen, und auch das nur, wenn dann Geld vorhanden ist.

Stillstand soll in der Zwischenzeit trotzdem nicht herrschen. Nach einer Beschlussvorlage vom Mai 2026 soll ein Abschnitt der Bahnhofstraße im Herbst 2026 neuen Klinkerbelag und eine neue Oberflächenentwässerung bekommen. Frühere Baustellen hatten den Belag dort unterbrochen, geflickt wurde mit unterschiedlichsten Materialien. Im Frühjahr 2027 sollen 25 große Pflanztröge mit Bäumen und Stauden folgen, dazu rote „Ulmer Stühle“, die mit Stahlseilen an den Trögen befestigt werden. Die Stadt selbst nennt das Ganze eine „temporäre Gestaltung“ und einen „Ausblick“ auf die spätere Neugestaltung.

Der Ausblick hat seinen Preis: 540.000 Euro plus 32.000 Euro Eigenleistungen der Verwaltung, zusammen 572.000 Euro. Hinzu kommen jährliche Folgekosten von 44.519 Euro, über den gesamten Lebenszyklus beziffert die Stadt die Belastung auf 726.835 Euro. Bezahlt wird aus dem Budget für die eigentliche Neugestaltung, in dem für 2026 noch 1,9 Mio. Euro stehen. Mehr als ein Viertel davon fließt damit in die Zwischenlösung (540.000 von 1.900.000 Euro).

Die Stadt betont, alles sei mobil und damit nachhaltig. Die Tröge könnten nach dem Umbau an anderen Stellen im Stadtgebiet aufgestellt werden. Innenstadtbeirat und Ulmer City finden die Pläne gut. Ob der neue Klinker den späteren Umbau übersteht, lässt die Vorlage offen. Bliebe das Provisorium rund vier Jahre bis 2030 stehen, kostete es gut 140.000 Euro je Jahr (572.000 Euro geteilt durch 4).

Kritik

Wer ein Großprojekt wegen leerer Kassen verschiebt, sollte nicht gleichzeitig mehr als eine halbe Million Euro in ein ausdrücklich vorläufiges Erscheinungsbild stecken. Notwendig wäre allenfalls, die Schadstellen im Belag und die fehlende Entwässerung zu beheben. Bäume in Kübeln und Designstühle sind dagegen Kosmetik, die bis zum Umbau dauerhaft Folgekosten verursacht. Ein Sparbeschluss, der nur die große Rechnung vertagt und eine kleinere sofort fällig macht, verdient den Namen nicht.

GD 190/26: Zentrale Fußgängerzone - temporäre Gestaltung und Aufwertung, Ratsinformationssystem der Stadt Ulm, 16. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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