459 Millionen Euro für Wasserstoff ohne ein Projekt
Der Bund zahlte als einziger 459 Mio. Euro in einen EU-Fonds für Wasserstoff in ärmeren Ländern, der bis Juli 2025 kein Projekt gefördert hat
Was ist passiert?
Grüner Wasserstoff soll in Deutschland Kohle und Erdgas dort ersetzen, wo Strom allein nicht weiterhilft, vor allem in Stahl- und Chemiewerken. Mindestens die Hälfte des künftigen Bedarfs will die Bundesregierung importieren. Allerdings gibt es weltweit kaum fertige Anlagen. Für 2030 rechnet der Bundesrechnungshof mit gesicherten Produktionskapazitäten von 63 TWh grünem Wasserstoff. Deutschland allein bräuchte mindestens 47,5 TWh davon, also rund drei Viertel.
Um das Angebot im Ausland anzuschieben, hat der Bund mehrere Programme aufgelegt. Eines davon ist der Green Hydrogen Fund, den die Europäische Investitionsbank 2021 gegründet hat. Er soll der Wasserstoffwirtschaft in Schwellen- und Entwicklungsländern auf die Beine helfen. Eine Gegenleistung ist nicht vorgesehen: Die geförderten Projekte müssen später keinen Wasserstoff nach Deutschland liefern.
Deutschland zahlte 459 Mio. Euro in den Fonds ein. Von anderen Gebern kam bis zum Prüfungsstand kein Geld, Deutschland blieb der einzige. Was mit dem Geld seither geschah, ist schnell erzählt: nichts. Bis Ende Juli 2025, dem Stichtag des Berichts, hatte der Fonds seine Arbeit nicht aufgenommen und keine einzige Förderentscheidung getroffen. Der Bundesrechnungshof nennt ihn deshalb nüchtern „bisher wirkungslos“.
Wie viel Geld hier brachliegt, zeigt ein anderes Programm des Bundeswirtschaftsministeriums. Für den Aufbau einer Eisenproduktion mit grünem Wasserstoff in Namibia gab es Investitionszuschüsse von 13,8 Mio. Euro. Mit der Einlage im Fonds ließen sich rechnerisch rund 33 Vorhaben dieser Größe bezuschussen (459 Mio. Euro geteilt durch 13,8 Mio. Euro). Aus dem Fonds selbst war bis dahin nicht ein einziges Projekt gefördert worden.
Ob sich daran nach dem Sommer 2025 etwas geändert hat, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Kritik
Wer fast eine halbe Milliarde Euro überweist, muss wissen, wann und wofür das Geld eingesetzt wird. Ein Fonds, der rund vier Jahre nach seiner Gründung noch keine einzige Förderentscheidung getroffen hat, leistet keinen Beitrag zur Energiewende, er verwahrt lediglich Steuergeld. Dass Deutschland ihn als einziger Geber finanziert und die geförderten Projekte nicht einmal nach Deutschland liefern müssen, macht die Ausgabe noch fragwürdiger. Der Bund hätte seine Zahlungen an den tatsächlichen Start der Förderung und an die Beteiligung weiterer Geber knüpfen müssen.
Umsetzung der Wasserstoffstrategie des Bundes, Bundesrechnungshof, 28. Oktober 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.