9,6 Millionen Euro für einen Kilometer Gleis
Der Bund zahlte bei Beelitz in Brandenburg 9,6 Millionen Euro, um einen Kilometer alte Bahnstrecke wieder zu öffnen, nennt aber keinen Zugbetreiber
Was ist passiert?
Seit der Wiedervereinigung sind in Ostdeutschland nach Angaben der Linken im Bundestag über 2.600 Kilometer Bahnstrecken stillgelegt worden. Stillgelegte Strecken wieder in Betrieb zu nehmen, ist laut Bundesregierung Sache der Länder. Der Bund steuert das Geld bei. Die Fraktion wollte wissen, wie viel Strecke seit 2021 tatsächlich zurückgekehrt ist.
Die Antwort vom 29. September 2026 fällt schmal aus. Nach Angaben der Deutschen Bahn wurde seit 2021 genau eine Strecke der DB reaktiviert: rund ein Kilometer zwischen dem Abzweig Lienewitz und dem Abzweig Beelitz in Brandenburg.
Billig war dieser Kilometer nicht. Aus Bundesmitteln der sogenannten LuFV 8.7 flossen dafür von 2021 bis 2025 rund 9,57 Mio. Euro (6,92 plus 1,71 plus 0,61 plus 0,27 plus 0,06 Mio. Euro). Auf einen Kilometer gerechnet sind das rund 9.570 Euro je Meter Gleis. In Betrieb ging der Abzweig laut Tabelle bereits 2022. Danach kamen trotzdem noch einmal rund 932.000 Euro hinzu. Wofür, verrät die Antwort nicht. Kosten je reaktiviertem Kilometer lassen sich nach Auskunft der Bahn ohnehin nicht angeben, weil Reaktivierungen häufig Teil größerer Vorhaben seien.
Rätselhaft wird es wenige Fragen später. Dort erklärt dieselbe Bundesregierung, im genannten Zeitraum sei keine Reaktivierung stillgelegter Strecken mit Bundesmitteln erfolgt. Auf die Frage, welche Betreiber die seit 2021 reaktivierten Strecken befahren, heißt es knapp: Da es keine Reaktivierung gegeben habe, gebe es auch keine Betreiber. Der einzige reaktivierte Kilometer ist damit zugleich keiner. Einen Betreiber, der dort fährt, kann das Ministerium jedenfalls nicht nennen.
Auch in Berlin rechnet man großzügig. Für den Bahnhof Ostkreuz, der 2018 in Betrieb ging, weist dieselbe Tabelle von 2021 bis 2025 als „Restabwicklung“ noch rund 1,2 Mio. Euro Reaktivierungsmittel aus.
Kritik
Fast 9,6 Mio. Euro für einen einzigen Kilometer Gleis lassen sich nur rechtfertigen, wenn auf diesem Kilometer danach regelmäßig Züge fahren. Genau das verneint die Bundesregierung in ihrer eigenen Antwort. Wer Bundesgeld als Reaktivierungsmittel ausgibt, muss am Ende eine befahrene Strecke vorweisen können, sonst bezahlt er Gleise ohne Verkehr. Der Bund sollte Geld aus diesem Topf erst freigeben, wenn ein Betreiber und ein Fahrplan feststehen.
Drucksache 21/8263: Antwort auf die Kleine Anfrage - Drucksache 21/7722 - Schieneninfrastruktur in Ostdeutschland, Antworten auf Kleine Anfragen, 29. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.