Anbau fürs Kanzleramt zum Rekordpreis
Der Bund erweitert den Amtssitz des Kanzlers in Berlin für 777 Millionen Euro, je Quadratmeter 2,6-mal so teuer wie ein neuer Ministeriumsbau
Was ist passiert?
Das Bundeskanzleramt in Berlin bekommt einen Erweiterungsbau. Bauherr ist das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), fertig werden soll das Gebäude im Jahr 2028. Laut einer Antwort der Bundesregierung vom September 2026 entstehen dabei 23.061 Quadratmeter Nutzungsfläche. Die Kostenprognose liegt bei 777,3 Mio. Euro.
Auf den ersten Blick scheint alles im Lot. Die Prognose deckt sich exakt mit der anerkannten Kostenobergrenze, die Abweichung beträgt null Prozent. In derselben Liste stehen Bundesbauten, die ihre Obergrenze um 30, 47 oder sogar 92 Prozent überschreiten. Gemessen daran wirkt das Kanzleramt geradezu vorbildlich.
Das Problem ist allerdings nicht die Steigerung, sondern der Preis selbst. Je Quadratmeter Nutzungsfläche kostet die Erweiterung rund 33.700 Euro (777,3 Mio. Euro geteilt durch 23.061 m²). Zum Vergleich: Dasselbe Bundesamt errichtet in Berlin, ebenfalls nach den alten Baurichtlinien, einen Erweiterungsbau für das Bundesumweltministerium und weitere Behörden. Dort entstehen 31.513 Quadratmeter für 402,2 Mio. Euro, also rund 12.800 Euro je Quadratmeter. Das Kanzleramt bekommt gut ein Viertel weniger Fläche und braucht dafür fast doppelt so viel Geld. Selbst der Erweiterungsbau des Auswärtigen Amts in der Kurstraße, dessen Kosten bereits um 36 Prozent gestiegen sind, kommt nur auf rund 17.400 Euro je Quadratmeter (198,7 Mio. Euro für 11.399 m²).
Eine Erklärung für den Unterschied liefert die Antwort der Bundesregierung nicht.
Bemerkenswert ist das Umfeld. Seit 2023 sollen die Bundesbehörden ein Viertel ihrer Büroflächen einsparen. Für neue Bedarfe setzt das Finanzministerium je Arbeitsplatz nur noch 18 Quadratmeter an, Besprechungs- und Pausenräume schon eingerechnet. Bis Ende 2025 kamen so 198.000 Quadratmeter Einsparung zusammen. Während die Ressorts also zusammenrücken sollen, entsteht an der Spitze der Regierung ein Bau in einer ganz eigenen Preisklasse.
Kritik
Dass die Kosten nicht weiter steigen, ist kein Verdienst, wenn der Preis schon von Beginn an jedes Maß sprengt. Mehr als 33.700 Euro je Quadratmeter lassen sich auch mit dem Repräsentationsbedarf der Regierungszentrale nicht rechtfertigen, zumal der Bund zur selben Zeit ein Ministeriumsgebäude für gut ein Drittel dieses Preises errichtet. Wer seinen Behörden ein Viertel weniger Fläche verordnet, hätte beim eigenen Bau mit gutem Beispiel vorangehen und Raumprogramm wie Standards deutlich abspecken müssen. So bezahlen die Steuerzahler einen Prestigebau, der vor allem zeigt, dass an der Spitze andere Maßstäbe gelten.
Drucksache 21/7952: Antwort auf die Kleine Anfrage - Drucksache 21/6918 - Bürogebäude und Büroanmietungen der Bundesregierung und der Bundesbehörden: Anzahl, Flächen und Kosten, Antworten auf Kleine Anfragen, 8. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.