Kanzleramt baut 110 Schreibtische auf Vorrat
Das Bundeskanzleramt rechnet für seinen Anbau inzwischen mit 777 Mio. Euro und plant 1.050 Arbeitsplätze für rund 940 Stellen.
Was ist passiert?
Der Amtssitz des Bundeskanzlers in Berlin wird größer. Neben dem bestehenden Gebäude errichtet das Bundeskanzleramt einen Erweiterungsbau mit rund 60.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche. Zusammen sollen Alt- und Neubau die Beschäftigten des Amtes aufnehmen, fertig werden soll der Anbau nach bisheriger Planung 2027/2028.
Billiger wird das Vorhaben dabei nicht. Im Jahr 2022 hatte das Bundesfinanzministerium Kosten von 636,8 Mio. Euro anerkannt. Inzwischen schätzt das Kanzleramt selbst 777 Mio. Euro, also rund 140 Mio. Euro oder 22 Prozent mehr. Als Grund nennt es vor allem gestiegene Baupreise. Allein der Aufschlag ist damit fast so hoch wie die gesamte Rate von 140,2 Mio. Euro, die für den Bau im Haushaltsentwurf 2026 vorgesehen ist. Auf die Fläche umgelegt kostet jeder Quadratmeter rund 13.000 Euro (777 Mio. Euro geteilt durch 60.000 Quadratmeter).
Bemerkenswerter als der Preis ist, wofür gebaut wird. In Bestand und Anbau sollen 725 Büroräume mit 1.050 Arbeitsplätzen entstehen. Ihnen stehen rund 940 Stellen gegenüber, den neu übernommenen Bereich Sport und Ehrenamt schon eingerechnet. Rund 110 Plätze haben also keinen Inhaber. Und das, obwohl das Amt 2025 Aufgaben wie die Digitalpolitik, die Migrationsbeauftragte und die Ostbeauftragte abgegeben hat.
Das Kanzleramt sieht darin kein Problem. Teilzeitkräfte und abgeordnete Beschäftigte tauchten im Stellenplan nicht auf, zudem werde neue Arbeit die Reserve schon füllen. Andere Behörden könne man nicht aufnehmen, das Haus sei Sicherheitsbereich. Überzeugend ist das nicht. Die Vorgaben des Finanzministeriums rechnen bewusst mit Stellen statt mit Köpfen und schließen Stellen auf Vorrat ausdrücklich aus. Früher saßen im Kanzleramt durchaus auch Mitarbeiter anderer Stellen, etwa des Kulturbeauftragten oder des Normenkontrollrats. Und die geplante Belegungsquote von 0,9 im Anbau entspricht nur der ersten Sparstufe, die der Bund für seine Bestandsgebäude schon bis März 2025 verlangt hatte. Bei Fertigstellung wären bereits 0,75 fällig.
Kritik
Wer für 777 Mio. Euro baut, muss jeden Arbeitsplatz begründen können, erst recht in einer Zeit, in der der Bund seine Büroflächen eigentlich verkleinern soll. Rund 110 Plätze ohne Stelle sind kein Puffer, sondern teurer Leerstand mit Ansage. Das Kanzleramt hätte sich an die Regeln halten müssen, die das Finanzministerium allen anderen Behörden auferlegt, und mit Desksharing planen sollen, das bei geltender Heimarbeit ohne Weiteres möglich ist. Die Spitze der Regierung sollte beim Sparen vorangehen, statt sich eine Ausnahme zu bauen.
Information über die Entwicklung des Einzelplans 04 (Bundeskanzler und Bundeskanzleramt) für die Beratungen zum Bundeshaushalt 2026, Bundesrechnungshof, 12. September 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.