Kanzleramt baut Büros auf Vorrat
Das Bundeskanzleramt in Berlin baut für 777 Millionen Euro neue Büros, obwohl danach 266 Schreibtische leer blieben
Was ist passiert?
Das Bundeskanzleramt bekommt einen Erweiterungsbau mit einer Bruttogrundfläche von rund 60.000 Quadratmetern. Der Bestandsbau hat 340 Büroräume und ist für höchstens 460 Arbeitsplätze ausgelegt. Der Neubau soll weitere 395 Büroräume mit etwas über 590 Arbeitsplätzen bringen.
Billig wird das nicht. Im Jahr 2022 hat der Bund 636,8 Mio. Euro für das Vorhaben haushaltsmäßig anerkannt. Inzwischen rechnet das Kanzleramt mit 777 Mio. Euro, also mit rund 140 Mio. Euro oder 22 Prozent mehr. Die Mehrkosten begründet es vor allem mit gestiegenen Baupreisen. Allein für 2025 waren 118,5 Mio. Euro eingeplant. Auf den Quadratmeter Bruttogrundfläche entfallen damit rund 12.950 Euro (777 Mio. Euro geteilt durch 60.000). Auf jeden neuen Arbeitsplatz entfallen rund 1,3 Mio. Euro (777 Mio. Euro geteilt durch 590).
Wichtiger als der Preis ist die Frage, wer an diesen Schreibtischen sitzen soll. Der Bundesrechnungshof hat nachgezählt. Das Kanzleramt soll laut Regierungsentwurf 2025 zusätzlich 32 Stellen erhalten. Selbst dann stünden für 784 Stellen mindestens 1.050 Büroarbeitsplätze bereit. Übrig blieben 266 Plätze, das sind rund 45 Prozent dessen, was der Neubau überhaupt an Arbeitsplätzen schafft.
Im Kanzleramt sieht man darin kein Problem. Es erklärte 2023, seine besonderen Arbeitsabläufe verlangten die häufige Anwesenheit der Beschäftigten. Desksharing mit geräumtem Schreibtisch am Feierabend sei deshalb auf absehbare Zeit nicht umsetzbar. Allerdings arbeiten auch im Kanzleramt Beschäftigte im Homeoffice. Die Prüfer halten die Begründung daher für nicht überzeugend. Sie verweisen darauf, dass der Bund seine Büroflächen ohnehin verkleinern muss, weil flexible Arbeitsformen den Bedarf gesenkt haben. Der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestages hat diese Linie 2023 zustimmend zur Kenntnis genommen. Für die eigene Regierungszentrale soll sie offenbar nicht gelten.
Kritik
Wer von allen Bundesbehörden weniger Bürofläche verlangt, muss im eigenen Haus damit anfangen. Ein Neubau für 777 Mio. Euro, nach dem jeder vierte Schreibtisch leer bliebe, ist nicht zu rechtfertigen. Das Kanzleramt hätte seinen Bedarf mit Homeoffice und geteilten Arbeitsplätzen neu berechnen und den Bau entsprechend verkleinern müssen. Mindestens aber gehören die überzähligen Plätze anderen Bereichen zugewiesen, statt sie auf Vorrat zu bauen.
Information über die Entwicklung des Einzelplans 04 (Bundeskanzler und Bundeskanzleramt) für die Beratungen zum Bundeshaushalt 2025, Bundesrechnungshof, 25. Juli 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.