Milliarden Corona-Masken für den Müll
Das Gesundheitsministerium des Bundes kaufte für 5,9 Milliarden Euro 21-mal so viele Masken wie nötig, über 3,4 Milliarden werden vernichtet
Was ist passiert?
Im Frühjahr 2020 waren Schutzmasken auf dem Weltmarkt kaum zu bekommen, Kliniken und Arztpraxen gingen die Vorräte aus. Das Corona-Kabinett beschloss am 30. März 2020, der Bund solle ergänzend zu Ländern und Einrichtungen Masken für Kassenarztpraxen und Akutkrankenhäuser beschaffen. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) errechnete dafür zuletzt einen kurzfristigen Bedarf von 75 Millionen partikelfiltrierenden Halbmasken und 200 Millionen OP-Masken. Bis Juli 2020 wurden 423 Millionen Masken ausgeliefert, der Engpass in der Akutmedizin war abgewendet.
Gekauft hat das Ministerium allerdings ein Vielfaches. Für 5,8 Milliarden Masken gab es bis 2024 rund 5,9 Milliarden Euro aus. Das ist etwa das 21-Fache des eigenen Bedarfs (5,8 Milliarden geteilt durch 275 Millionen). Die größten Mengen und teuersten Masken stammten aus Einzelverträgen, die noch bis Mai 2020 geschlossen wurden. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Open-House-Verfahren mit einem Festpreis von 4,50 Euro je Filtermaske längst eine Flut von Angeboten ausgelöst. Obendrein waren Verträge über rund 3,2 Milliarden Masken aus deutscher Produktion vergeben.
Im Inland verteilt wurden nur 1,7 Milliarden Masken, also 30 Prozent. Mehr als 3,4 Milliarden sind vernichtet oder warten darauf. Selbst die Pflegeheime erhielten im Winter 2020/2021 lediglich kleine Notfallpakete. Legt man die 5,9 Milliarden Euro auf die verteilten Masken um, kostete jede rund 3,50 Euro.
Das Ministerium sieht bis heute keine Überbeschaffung. Man habe einen Jahresbedarf für alle 5,7 Millionen Beschäftigten der Gesundheitsbranche decken wollen, vom Labor bis zur Krankenkasse. Einen Beschluss für diese Rechnung fand der Bundesrechnungshof nicht, ein Plan zur Verteilung an diesen Kreis existierte ebenfalls nie.
Die Kosten laufen weiter. Für Lagerung, Logistik, Vernichtung, Berater und Anwälte fielen bis Ende 2024 bereits 517 Millionen Euro an, für 2025 bis 2027 sind über 110 Millionen Euro eingeplant. Zudem sind rund 100 Klagen von Lieferanten mit einem Streitwert von 2,3 Milliarden Euro anhängig.
Kritik
Die Not des Frühjahrs 2020 erklärt schnelle Käufe, aber nicht Bestellungen in zwanzigfacher Höhe des eigenen Bedarfs, die zum Teil noch Wochen später unterschrieben wurden. Das Ministerium hat Milliarden ausgegeben, ohne Auftrag für diese Mengen und ohne Plan, wer die Masken bekommen soll. Dass es den Fehler bis heute bestreitet, während Lagerkosten und Prozessrisiken weiter wachsen, macht die Sache nicht besser. Künftige Vorräte gehören dorthin, wo sie verbraucht und umgeschlagen werden, also zu Kliniken und Großhandel, nicht in Bundeslager.
Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung am 15. Dezember 2025: Beschaffung (medizinisches Material, Impfstoffe) und Versorgungssicherheit, Bundesrechnungshof, 12. Dezember 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.