Land BW lässt Unigebäude verfallen und baut neu
An fünf Landesuniversitäten stieg der Sanierungsbedarf von 1,7 Mrd. Euro 2003 auf 4,7 Mrd. Euro, trotzdem baut das Land Baden-Württemberg weiter neu
Was ist passiert?
Die fünf großen Landesuniversitäten verfügen über 754 Gebäude, die im Mittel 85 Jahre alt sind. Die Hälfte der Fläche stammt aus den Jahren 1950 bis 1980, mit schadhaftem Sichtbeton und schlecht gedämmten Fassaden. Schon 2012 beschloss der Landtag deshalb, dem Abbau des Sanierungsstaus erste Priorität zu geben, dafür jährlich mindestens 2 Prozent des Neubauwerts einzusetzen und bei Sanierungen Flächen abzubauen.
Der Rechnungshof hat 2024 nachgesehen, was daraus wurde. Von 2015 bis 2023 hätten im Schnitt 196 Mio. Euro im Jahr in Bauunterhalt und Sanierung fließen müssen. Tatsächlich waren es 132 Mio. Euro, also 67 Prozent. Jährlich fehlten damit rund 64 Mio. Euro, über neun Jahre gerechnet knapp 576 Mio. Euro. Die Lücke wurde zuletzt sogar größer: 2023 lag das Ziel bei 261 Mio. Euro, umgesetzt wurden 124 Mio. Euro, weniger als die Hälfte.
Der Sanierungsbedarf wuchs entsprechend. 2003 lag er bei 1,7 Mrd. Euro, heute schätzt ihn der Rechnungshof auf 4,7 Mrd. Euro, fast das Dreifache. Allein die 315 Gebäude mit hohem Sanierungsbedarf stehen für rund 3,8 Mrd. Euro, im Schnitt gut 12 Mio. Euro je Gebäude.
Statt Fläche abzubauen, kamen durch Neubauten und Anmietungen 55.000 Quadratmeter hinzu. Die angemietete Fläche stieg von 50.000 auf 72.000 Quadratmeter, ein Plus von 45 Prozent. In Tübingen, Stuttgart und Hohenheim floss weiterhin mehr Geld in Neubauten als in Sanierungen.
Das Finanzministerium versichert, der Abbau des Sanierungsbedarfs habe im Landesbau höchste Priorität. In den Zahlen der vergangenen Jahre sucht man diese Priorität vergeblich. Aus einem Sondervermögen sollen nun 271 Mio. Euro für Sanierungen im gesamten Hochschulbereich kommen. Selbst wenn alles davon bei diesen fünf Universitäten ankäme, deckte es gerade einen einzigen Jahresbedarf, den der Rechnungshof auf mehr als 270 Mio. Euro beziffert.
Kritik
Wer den eigenen Bestand verfallen lässt und gleichzeitig neue Flächen baut und anmietet, vergrößert die Rechnung von morgen. Ein klarer Landtagsbeschluss lag seit 2012 vor, umgesetzt wurde er nicht. Jedes Jahr der Unterfinanzierung treibt die Kosten weiter nach oben, zumal die Grundsanierung vieler Altbauten inzwischen so viel kostet wie ein Neubau. Das Land muss den Erhalt verlässlich mit dem nötigen Jahresbetrag ausstatten und neue Flächen nur noch dort schaffen, wo an anderer Stelle Fläche wegfällt.
Jahresbericht 2026, Beitrag 23: Sanierungsbedarf und Flächenentwicklung an Universitätsgebäuden, Rechnungshof Baden-Württemberg, 20. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.