Staatsbilanz

Land/Bayern/Kostensteigerung

Bayern zahlt 40 Mio. für Theater ohne Termin

Der Freistaat hat für das Würzburger Theater schon 40,3 Millionen Euro gezahlt, obwohl die Eröffnung platzte und die Gesamtkosten unbekannt sind

Was ist passiert?

Das Mainfranken Theater ist ein kommunales Haus in alleiniger Trägerschaft der Stadt Würzburg. Die Stadt saniert und erweitert es in Eigenregie, der Freistaat gibt über das Finanzausgleichsgesetz Geld dazu. Im September 2019 stellte er für zuweisungsfähige Ausgaben von rund 67 Mio. Euro eine Gesamtzuweisung von rund 50,3 Mio. Euro in Aussicht. Das entspricht einer Förderquote von etwa 75 Prozent (50,3 geteilt durch 67). Rund 40,3 Mio. Euro sind bereits bewilligt und ausgezahlt, bleiben noch rund 10 Mio. Euro.

Der Neustart sollte ursprünglich zur Spielzeit 2022/2023 gelingen. Diese Frist wurde nicht gehalten. Die Kosten für Sanierung und Erweiterung sind laut der Landtagsanfrage gegenüber den ersten Planungen deutlich gestiegen. Eine aktuelle Gesamtsumme nennt die Staatsregierung nicht. Sie verweist darauf, dass die Stadt Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit eigenverantwortlich zu beachten habe. Das ist formal korrekt, tröstet aber wenig, wenn der Freistaat drei Viertel der anerkannten Ausgaben trägt.

Auch der laufende Betrieb wird teurer. 2025 flossen 10,4 Mio. Euro vom Freistaat und 13,4 Mio. Euro von der Stadt, zusammen rund 23,8 Mio. Euro. Dem standen nur 1,67 Mio. Euro Einnahmen aus Eintrittskarten gegenüber. Auf jeden Euro Eintritt kamen damit rund 14 Euro öffentlicher Zuschuss (23,8 geteilt durch 1,67). 2017 waren es noch rund 5 Euro (13,8 Mio. Euro Zuschuss bei 2,7 Mio. Euro Eintritt).

Nach der Wiedereröffnung sollten Freistaat und Stadt eigentlich je rund 9,8 Mio. Euro tragen, zusammen 19,6 Mio. Euro. Schon 2025 lagen beide Beträge darüber, gemeinsam um rund 4,2 Mio. Euro. Zugleich soll der Freistaat seinen Anteil von 45 auf 50 Prozent anheben und das Haus dann zum „Staatstheater Mainfranken“ machen. Was das zusätzlich kostet, kann die Staatsregierung nach eigener Auskunft nicht beziffern.

Kritik

Der Freistaat hat sich bei der Sanierung auf eine hohe Förderquote von rund 75 Prozent festgelegt und zahlt, während Termin und Kosten aus dem Ruder laufen. Wer drei Viertel einer Baumaßnahme trägt, hätte die Zuweisung an einen verbindlichen Kostenrahmen und einen Terminplan binden müssen. Dass die Betriebszuschüsse steigen, während die Ticketeinnahmen fallen, spricht außerdem nicht dafür, den Staatsanteil noch auf 50 Prozent anzuheben. Eine höhere Beteiligung und der Titel Staatstheater sollten erst infrage kommen, wenn die Wiedereröffnung geglückt ist und die Gesamtkosten feststehen.

Drucksache 19/12763: Schriftliche Anfrage: Erhebung des Mainfranken Theaters in Würzburg zum bayerischen Staatstheater, Bayerischer Landtag, 10. August 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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