Staatsbilanz

Land/Bayern/Kostensteigerung

Straßen um drei Orte: 75 statt 33 Millionen

Das Verkehrsministerium Bayern plant Umgehungen bei Egglham, Aidenbach und Aldersbach für 74,7 statt 33,3 Millionen Euro, der Nutzen wurde nur für den alten Preis geprüft

Was ist passiert?

Egglham/Aidenbach/Aldersbach (BY).

Die Staatsstraße St 2109 führt durch mehrere Orte in Niederbayern. Damit der Durchgangsverkehr aus den Ortsdurchfahrten verschwindet, sollen Egglham, Aidenbach und Aldersbach Umgehungen bekommen. Das Staatliche Bauamt Passau führt das Vorhaben als zwei Teilprojekte. Zusammen sind es rund 9,1 Kilometer Neubau mit 13 Brückenbauwerken, Dämmen von bis zu 14,5 Metern Höhe und etwa 32,7 Hektar Flächenverbrauch.

Die Kosten haben sich seit 2016 mehr als verdoppelt. Damals lagen die Vorentwürfe zusammen bei 33,257 Mio. Euro, heute veranschlagt das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr 74,7 Mio. Euro. Das ist ein Plus von 125 Prozent. In Egglham stiegen die Kosten von 13,9 auf 29,4 Mio. Euro, bei Aidenbach und Aldersbach von 19,3 auf 45,3 Mio. Euro. Dort steht die Genehmigungsplanung erst am Anfang, und das Ministerium nennt ausdrücklich noch keine Preissteigerungen für die Zukunft.

Die Begründung des Ministeriums: Der Baupreisindex im Straßenbau sei seit 2016 um rund 80 Prozent gestiegen, hinzu kämen geänderte Umweltauflagen und Gesetze. Rechnet man den Baupreisanstieg auf die Kosten von 2016, ergeben sich etwa 59,9 Mio. Euro (33,257 Mio. mal 1,8). Rund 14,8 Mio. Euro der heutigen Summe bleiben damit ungeklärt, denn eine genaue Aufteilung könne man „aktuell nicht“ vornehmen.

Besonders heikel ist der Nutzen. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,9 stammt aus der Aufstellung des 7. Ausbauplans für Staatsstraßen, mit den damaligen Kosten und einer Verkehrsprognose für das Jahr 2025. Eine neue Berechnung soll erst nach der Genehmigungsplanung folgen. Dennoch hält die Staatsregierung das Projekt auf Nachfrage weiterhin für wirtschaftlich.

Für die Ortsumgehung Egglham sind im Jahr 2035 rund 2.400 Fahrzeuge pro Tag prognostiziert. Bei 29,4 Mio. Euro sind das 12.250 Euro je erwartetem Fahrzeug (29,4 Mio. geteilt durch 2.400). Diese Rechnung sei „nicht relevant“, so das Ministerium.

Kritik

Wer ein Projekt für wirtschaftlich erklärt, sollte die Rechnung mit den heutigen Kosten vorlegen, statt sich auf eine Bewertung zu berufen, die auf weniger als der Hälfte der Summe beruht. Dass die Neuprüfung erst nach der Genehmigungsplanung kommen soll, verschiebt sie auf einen Zeitpunkt, zu dem viel Geld bereits gebunden ist. Der Baupreisanstieg erklärt nur einen Teil der Mehrkosten, für den Rest fehlt jede nachvollziehbare Aufschlüsselung. Die Kosten je Fahrzeug als irrelevant abzutun, ist bei 74,7 Mio. Euro keine Antwort. Die Nutzen-Kosten-Rechnung gehört vor weiteren Planungsschritten aktualisiert und offengelegt, samt Prüfung günstigerer Varianten.

Drucksache 19/12944: Schriftliche Anfrage: Wirtschaftlichkeit, Kostenentwicklung und Nutzenbewertung der geplanten, Bayerischer Landtag, 17. August 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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