Deich in Bremen kostet 104 statt 52 Millionen
Der Bremer Senat plant den Hochwasserschutz am Weserufer in der Neustadt für 104 Millionen Euro, 13,4 Millionen davon sind nicht finanziert
Was ist passiert?
Am linken Weserufer in der Neustadt soll der Deich der „Stadtstrecke“ zwischen Eisenbahnbrücke und Piepe gegen steigende Pegel ertüchtigt werden. Das Vorhaben liegt mitten im Stadtzentrum, und über die Platanen auf dem Deich wird seit Langem gestritten. Projektträgerin ist die Stabsstelle Deichbau Stadtstrecke bei der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft.
Für die gewählte Wettbewerbsvariante der Bauabschnitte 1 bis 3 wurden 2020 noch 52,433 Mio. Euro veranschlagt. Der im Juni 2026 eingereichte Bauentwurf kommt auf 90,771 Mio. Euro brutto im Preisstand 2026. Rechnet man drei Prozent Preissteigerung bis zu den beiden Bauvergaben 2029 und 2033 ein, sind es 104,17 Mio. Euro. Das ist knapp das Doppelte der Schätzung von 2020. Die Planfeststellungsgebühr von 0,345 Mio. Euro kommt noch obendrauf.
Als Gründe nennt der Senat eine allgemeine Preissteigerung von rund 39 Prozent zwischen 2020 und 2025, einen höheren Bemessungswasserstand (rund 8,8 Mio. Euro) und eine umfassende Tiefgründung, die sich erst aus den Baugrunduntersuchungen ergab (rund 5,3 Mio. Euro). Allein beim Bauwerk stiegen die Kosten von 25,837 auf 56,826 Mio. Euro. Der Senat hält seine Schätzungen für „fachlich einwandfrei“. Dass sich ein Baugrund erst Jahre nach der ersten Schätzung als tragfähigkeitsproblematisch erweist, nimmt er damit offenbar hin.
Auch die Finanzierung ist offen. Der geplante Mittelabfluss von 2027 bis 2035 summiert sich auf rund 90,8 Mio. Euro. Zu den 104,17 Mio. Euro fehlen damit rechnerisch 13,4 Mio. Euro (104,17 minus 90,77). Die haushaltsrechtliche Absicherung steht laut Senat noch aus und braucht eine eigene Gremienbefassung. Für den Unterhalt gibt es nur den Wert von 2020 mit 189.369 Euro im Jahr, den der Senat selbst als nur bedingt verwendbar bezeichnet. Allein die Planung kostete zwischen März 2025 und Juni 2026 rund 951.000 Euro, also etwa 59.000 Euro je Monat.
Kritik
Eine Verdopplung der Kosten binnen sechs Jahren lässt sich nicht mit Inflation allein erklären. Baugrund und Bemessungswasserstand sind bei einem Deich keine Überraschungen und hätten früh und gründlich geprüft werden müssen, bevor eine Zahl genannt wird. Mit einer Deckungslücke von rund 13,4 Mio. Euro im Mittelplan darf es keinen Baubeschluss geben. Vorher muss die Finanzierung stehen, und der Mehrpreis der gewünschten Gestaltung gegenüber der reinen Schutzlösung muss offen beziffert werden.
Drucksache 21/1920: Mitteilung, Bürgerschaft Bremen, 4. August 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.