413 Millionen für Essen in Hamburger Heimen
Hamburg zahlt in Flüchtlingsunterkünften seit 2022 das Essen aus der Stadtkasse, 413 Millionen Euro, die über die Platzgebühr nicht zurückkommen
Was ist passiert?
Die Freie und Hansestadt Hamburg bringt Geflüchtete in öffentlich-rechtlichen Unterkünften unter, die überwiegend die städtische Anstalt F&W Fördern und Wohnen betreibt. Für einen Platz wird eine Nutzungsgebühr fällig, seit dem 1. September 2025 sind es 889 Euro im Monat. Sie soll die Kosten decken. Doch einige Posten dürfen gar nicht in die Gebühr einfließen, darunter das Catering.
Wie aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Carola Ensslen (Die Linke) hervorgeht, kostete das Essen 2022 rund 58 Mio. Euro, 2023 schon 111 Mio. und 2024 115 Mio. Euro. 2025 waren es 95 Mio. Euro, in der ersten Hälfte 2026 weitere 34 Mio. Euro. Zusammengerechnet (58 + 111 + 115 + 95 + 34) sind das 413 Mio. Euro in viereinhalb Jahren. Rechnet man Wachdienste und Notstandorte hinzu, blieben 2024 allein 162 Mio. Euro außerhalb der Gebühr. Bei Gesamtkosten der Unterbringung von 606 Mio. Euro ist das gut ein Viertel (162 : 606).
Die Abgeordnete führt das Catering auf fehlende Kochmöglichkeiten zurück und behauptet, die Bewohner würden sich im Regelfall lieber selbst versorgen. Der Senat nennt in seiner Antwort keine eigene Begründung. Er listet nur auf, was nicht gebührenfähig ist und deshalb aus der Stadtkasse bezahlt wird.
Die Größenordnung wird greifbar, wenn man rechnet: 115 Mio. Euro im Jahr 2024 entsprechen rund 315.000 Euro an jedem einzelnen Tag (115 Mio. : 365). Legt man die 95 Mio. Euro von 2025 auf die 43.626 Plätze der Gebührenkalkulation um, sind das rund 2.180 Euro je Platz und Jahr, also etwa 181 Euro im Monat. Das ist rechnerisch gut ein Fünftel der Monatsgebühr von 889 Euro, auch wenn nicht jeder Platz Verpflegung erhält.
Die Gebühr deckte die Kosten 2025 ohnehin nur zu rund 83 Prozent. Für 2026 erwartet der Senat 88 Prozent.
Kritik
Über viereinhalb Jahre hat die Stadt mehr als 400 Mio. Euro für Essen in Unterkünften ausgegeben, die ihr keine Gebühr zurückzahlt. Wer Standorte ohne Kochmöglichkeit anmietet, macht aus einer Notlösung einen Dauerposten im Haushalt. Hamburg hätte bei der Auswahl und beim Ausbau der Unterkünfte darauf achten müssen, dass Selbstversorgung möglich ist, und prüfen müssen, ob das auf Dauer die günstigere Lösung wäre. Ein Betrag in dieser Höhe sollte nicht als gegeben hingenommen werden.
Drucksache 23/5407: Schriftliche Kleine Anfrage, Bürgerschaft Hamburg, 25. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.