Hamburger Labor: 482 statt 144 Millionen
Hamburg will für das neue Labor des Instituts für Hygiene und Umwelt in Rothenburgsort 482 Millionen Euro ausgeben, anfangs waren es 144 Millionen
Was ist passiert?
Das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt (HU) braucht seit vielen Jahren ein neues Zuhause oder eine Sanierung. Schon 2018/2019 fiel die Entscheidung, den Neubau mit Vorrang zu verfolgen. Bauen und vermieten soll die öffentliche Sprinkenhof GmbH im sogenannten Mieter-Vermieter-Modell. Als der Senat die Projektkosten erstmals nannte, standen dort 144 Mio. Euro.
Im August 2023 wurde der Siegerentwurf vorgestellt: rund 40.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche auf einem Grundstück in Rothenburgsort. Im Oktober 2025 sprach Sprinkenhof bereits von circa 515 Mio. Euro. Nach Abschluss der Vorplanung schätzt man die Gesamtkosten nun auf 482 Mio. Euro, inklusive Zwischenfinanzierung und Nebenkosten. Das Geld soll aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität kommen. Gegenüber den ursprünglichen 144 Mio. Euro sind das 338 Mio. Euro mehr (482 minus 144), also mehr als das Dreifache. Rechnerisch entspricht das bei 40.000 Quadratmetern rund 12.050 Euro je Quadratmeter Bruttogeschossfläche (482 Mio. Euro geteilt durch 40.000).
Gebaut wird noch nichts, ausgegeben ist trotzdem schon einiges: Bis zum 12. August 2026 fielen knapp 9,95 Mio. Euro für die Planung an, davon allein 6,5 Mio. Euro für Architekten und Ingenieure. Die Leistungsphase 3 soll im ersten Quartal 2027 enden. Zum weiteren Zeitplan konnte der Senat nichts sagen, weil die Planung noch nicht abgeschlossen sei.
Dabei hatte das HU zum Jahresende 2025 noch einen Umzug in ein Bestandsgebäude am Überseering in der City Nord erwogen. Der Senat erklärt, mehrere Prüfungen hätten den Neubau als wirtschaftlichste Lösung bestätigt, und Kaufangebote seien nicht wirtschaftlich gewesen. Weitere Prüfungen von Bestandsimmobilien sind nicht vorgesehen. Zahlen zum Vergleich legte er nicht vor. Stattdessen verwies er auf Vergleichswerte des Baukosten-Informationszentrums, wonach der Neubau unter dem Durchschnitt vergleichbarer Laborbauten liege. Nach einer Vergleichsrechnung mit Landeslaboren, die andere Länder mit privaten Partnern gebaut haben, gefragt, antwortete er, das Modell setze eben auf öffentliche Unternehmen.
Kritik
Wenn aus 144 Mio. Euro 482 Mio. Euro werden, genügt der Hinweis auf einen Durchschnittswert nicht. Er sagt nur, ob der Neubau im Vergleich zu anderen Neubauten günstig ist, nicht ob er die beste Lösung ist. Die Bestandsalternative in der City Nord hätte offen und mit Zahlen gegen den Neubau gerechnet werden müssen, bevor man sie ad acta legt. Und ein Vorhaben, dessen Kosten sich schon in der Vorplanung mehr als verdreifacht haben, braucht eine verbindliche Kostengrenze, bevor weitere Millionen in die Planung fließen.
Drucksache 23/4982: Schriftliche Kleine Anfrage, Bürgerschaft Hamburg, 18. August 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.