Staatsbilanz

Land/Hamburg/Kostensteigerung

Schwanenhaus in Hamburg kostet das Doppelte

Das neue Zuhause der Alsterschwäne am Eppendorfer Mühlenteich kostet 7,2 statt 3,6 Millionen Euro, die Baustelle steht wegen offener Bohrlöcher still

Was ist passiert?

Am Eppendorfer Mühlenteich soll ein neuer Standort für das Schwanenwesen und die Wildtierrettung entstehen. Dort sollen die Alsterschwäne untergebracht werden und die Helfer ihre Arbeit machen. Bis zur Fertigstellung behilft man sich mit einem Provisorium an der Wellingsbütteler Landstraße. Gebaut wird das Quartier vom Bezirksamt Hamburg-Nord, die städtische Sprinkenhof GmbH übernahm im November 2024 die Projektsteuerung.

Die Kosten wurden zunächst auf 3,6 Mio. Euro brutto veranschlagt. Inzwischen sind 7,2 Mio. Euro genehmigt, die der Senat als Kostenobergrenze bezeichnet. Das ist eine Verdopplung (7,2 geteilt durch 3,6 ergibt 2). Davon sind 6,55 Mio. Euro vertraglich gebunden, also rund 91 Prozent der Obergrenze. Tatsächlich ausgegeben waren bis zuletzt erst 1,47 Mio. Euro, rund ein Fünftel. Rechnerisch stehen damit noch gut 5,08 Mio. Euro an Verpflichtungen offen (6,55 minus 1,47).

Nun ruht die Baustelle. Im Februar 2026 stellte man bei einer Begehung mehrere offene Bohrlöcher fest, die von der Kampfmittelsondierung stammten und nicht fachgerecht verschlossen worden waren. Die Tiefbauarbeiten mussten sofort ruhen. Erst in den Sommerferien einigten sich die Beteiligten auf einen temporären Baustopp, der Anfang September ausgesprochen wurde. Zwischen dem ersten Stillstand und der förmlichen Entscheidung lag also rund ein halbes Jahr.

Die schwierigen Bodenverhältnisse seien nicht schuld, betont der Senat. Sie seien bereits in der Kostenberechnung vom 16. März 2023 berücksichtigt worden. Ursache sei ein Ausführungsmangel. Ein Gutachten samt Konzept zur Mängelbeseitigung liegt vor. Dennoch braucht es nun eine neue Kosten-Nutzen-Analyse, die Prüfung alternativer Bauweisen und womöglich ein geändertes Raumkonzept. Zu Zusatzkosten und Zeitplan äußert sich der Senat nicht.

Kritik

Wer ein Vorhaben auf das Doppelte der ersten Schätzung hebt und davon gut 90 Prozent vertraglich bindet, sollte vorher wissen, ob sich der Bau lohnt. Die Kosten-Nutzen-Analyse kommt erst jetzt, mit einer Baustelle im Stillstand und einem Großteil des Geldes längst gebunden. Dass ein schlampig verschlossenes Bohrloch ein ganzes Projekt lahmlegt, zeigt zudem, dass die Bauüberwachung unzureichend war. Die Stadt hätte Leistungen wie die Kampfmittelsondierung engmaschig abnehmen und Verträge so gestalten müssen, dass sich bei einem Neustart nicht Millionen im Voraus festgelegt finden.

Drucksache 23/5246: Schriftliche Kleine Anfrage, Bürgerschaft Hamburg, 15. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Hamburg

  1. 16.10.2026HamburgLandtag 129.300 Euro für Radweg, der wieder abgebaut wurde 129.300 € Hamburg baute in Rahlstedt einen Radweg mit Betonschutz für 66.200 Euro und riss ihn nach Schnee für 63.100 Euro ab
  2. 09.10.2026HamburgLandtag 200.000 Euro Abfindung nach 5 Monaten 200.000 € Hamburgs städtisches Unternehmen für Unterkünfte und soziale Hilfen zahlte einer Geschäftsführerin nach 143 Tagen insgesamt 453.000 Euro
  3. 09.10.2026HamburgLandtagAusgabe mit Nachfrage 7,52 Millionen Euro für Sportplatz im Jugendknast 7,52 Mio. € Hamburgs Justizbehörde will in Billwerder 7,52 statt 3,89 Millionen Euro für Sportplatz und Holzhaus der neuen Jugendanstalt ausgeben

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz