Staatsbilanz

Land/Hamburg/Folgekosten

Wohnungslosen-Hochhaus kostet 2,7 Mio. Euro extra

Hamburg zahlt im Mundsburg Tower 7,9 Millionen Euro für 336 Wohnungslose, pro Person und Tag 64 statt im Schnitt 42 Euro

Was ist passiert?

Im Mundsburg Tower vermietet die städtische Anstalt F&W Fördern & Wohnen einen Teil der Wohnungen privat, den Rest nutzt sie zur öffentlich-rechtlichen Unterbringung (örU). Dort leben wohnungslose Menschen, die die Stadt akut unterbringen muss, ob geflüchtet oder nicht. Im Durchschnitt des Jahres 2025 waren es 336 Personen, untergebracht in 77 Wohnungen und in den Gewerbegeschossen des Hauses.

Die Zahlen, die eine Kleine Anfrage der CDU offenlegte, sind auffällig. Für 56 privat vermietete Wohnungen nahm F&W 2025 rund 1,04 Mio. Euro ein, das sind 1.550 Euro je Wohnung und Monat. Für die 77 örU-Wohnungen waren es 7.863.741 Euro, also 8.510 Euro je Wohnung und Monat, das 5,5-Fache. Der Senat bestätigt beide Werte. Von den knapp 7,9 Mio. Euro stammen rund 3,2 Mio. Euro aus Gebühren und rund 4,7 Mio. Euro aus einem Zuschuss der Sozialbehörde.

Die Begründung des Senats liest sich wie ein Lehrbuch: Die Gebühren folgten dem Grundsatz der Kostendeckung, nicht alle Kosten wie Wachdienst und Catering seien gebührenfähig, und die Sozialbehörde gleiche den Rest in einem jährlichen, transparenten Verfahren aus. Wofür das Geld am Mundsburg Tower im Einzelnen fließt, ließ er offen. Die Fragen nach den Leistungen und den Standorten mit Beträgen über der Gebühr von 889 Euro je Person und Monat beantwortete er nur mit dem Verweis auf diese Vorbemerkung.

Der Wert von 8.510 Euro ist ein Durchschnitt aus Erträgen und kein Preis für eine einzelne Wohnung, denn die Gewerbegeschosse zählen mit. Rechnet man auf Personen um, bleibt der Abstand dennoch deutlich: 7.863.741 Euro geteilt durch 336 Personen ergeben rund 23.400 Euro im Jahr, das sind etwa 64 Euro pro Person und Tag. Landesweit kostete ein belegter Platz 2025 im Schnitt 41,85 Euro am Tag, am Mundsburg Tower also gut die Hälfte mehr. Zum Durchschnittspreis hätten die 336 Plätze rechnerisch rund 5,1 Mio. Euro gekostet (336 mal 41,85 Euro mal 365 Tage), etwa 2,7 Mio. Euro weniger.

Kritik

Für ein Gebäude, in dem Wohnungslose untergebracht werden, wurden je Person und Tag gut 50 Prozent mehr gezahlt als im Hamburger Durchschnitt. Dass der Zuschuss der Sozialbehörde mit 4,7 Mio. Euro mehr als die Hälfte der Summe ausmacht, zeigt, dass die Gebühren die Kosten dieses Standorts bei Weitem nicht decken. Wer derart über dem Schnitt liegt, muss Miete, Wachdienst und Catering gegen günstigere Standorte stellen und den Standort notfalls aufgeben. Auch bei knappen Unterkunftsplätzen darf ein Haus nicht dauerhaft teurer sein als der Rest, nur weil sich die Differenz ohnehin ausgleichen lässt.

Drucksache 23/4902: Schriftliche Kleine Anfrage, Bürgerschaft Hamburg, 4. August 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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