Staatsbilanz

Stadt/Münster/Fehlender Bedarf

2,26 Millionen Euro für Stadtteilfest und Radverein

In Münster-Handorf wollen Händler und ein Radverein bis 2031 Stadtgeld für Fest, Gutscheine, Weihnachtslicht und einen Bau an der B51

Was ist passiert?

Im Stadtteil Handorf, im Osten Münsters, richtet die Handorfer Kaufmannsgilde seit Jahrzehnten den „Handorfer Herbst“ aus, ein eintägiges Stadtteilfest im September. Der Verein ist ein Zusammenschluss von 59 Händlern, Handwerkern und Gewerbetreibenden. 2025 fiel das Fest aus. Die Gilde nennt gestiegene Sicherheitsauflagen als Grund.

Anfang März 2026 schickte die Gilde dem Oberbürgermeister einen Umschlag mit vier Förderanträgen. Drei stammen von ihr selbst, einer vom One World Cycling Club e.V. Alle vier landeten in den Unterlagen zum Doppelhaushalt 2026/2027, und alle sollen zunächst bis 2031 laufen.

Für das Fest verlangt die Gilde jedes Jahr 120.000 Euro. Der größte Einzelposten sind 35.000 Euro für die Umsetzung des Cannabisgesetzes. Das ist dreieinhalbmal so viel wie die 10.000 Euro für inklusive Angebote. Den Bedarf an Integrationsformaten belegt der Antrag mit dem Integrationsrat. Der war eingeladen, hätte nach eigener Angabe aber auch dann nicht kommen können, wenn das Fest stattgefunden hätte. Hinzu kommen 20.000 Euro im Jahr für einen „Handorf Gutschein“, der Kaufkraft im Stadtteil halten soll, sowie Geld für die Weihnachtsbeleuchtung.

Den größten Betrag bringt der Radsportverein ein. Für einen „Cycling Cube an der B51“, angekündigt als „Tor zur Fahrradhauptstadt Münster“, beantragt er 500.000 Euro Anschubförderung und jährlich 150.000 Euro Betriebszuschuss. Die Investitionskosten liegen laut Kostenaufstellung bei rund 670.000 Euro (in der Vorlage verschrieben als 670.00,00 Euro), die Betriebskosten bei 275.000 Euro im Jahr. Die Stadt soll also rund drei Viertel des Baus tragen (500.000 von 670.000 Euro) und gut die Hälfte des laufenden Betriebs (150.000 von 275.000 Euro). Bis 2031 ergibt das 1,4 Mio. Euro.

Über sechs Jahre summieren sich alle vier Anträge auf 2.259.500 Euro. Allein der Cannabis-Posten würde die Stadt 35.000 Euro je Festtag kosten. Zum Stand der Vorlage im Mai 2026 war über die Anträge noch nicht entschieden.

Kritik

Stadtteilfest, Gutscheinsystem und Festbeleuchtung nützen vor allem den Gewerbetreibenden, die sie organisieren, und gehören nicht als Dauerposten in den städtischen Haushalt. Wenn ein Fest die Auflagen des Cannabisgesetzes nicht aus Standgebühren und Sponsoring bezahlen kann, muss der Veranstalter sein Konzept ändern, statt jedes Jahr 35.000 Euro von der Stadt zu verlangen. Beim Cycling Cube soll die Stadt drei Viertel des Baus und über Jahre mehr als die Hälfte des Betriebs eines Vereinsprojekts finanzieren, ohne selbst Trägerin zu sein. Der Rat sollte diese Anträge ablehnen, statt sie mit dem Etikett „institutionelle Förderung“ zu dauerhaften Zuschüssen zu machen.

V/0306/2026: Haushaltssatzung für die Jahre 2026 und 2027, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 7. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Münster

  1. 17.09.2026Münster Neues Führerschein-Programm verdreifacht Wartezeit nicht beziffert In Münster warten Kunden am Führerscheinschalter seit neuer Software 19 statt 7 Minuten, die Stadt braucht 1.200 Aushilfsstunden mehr
  2. 09.09.2026Münster Bis zu 2.000 Euro je Blumenampel 2.000 € Für 20 Blumenampeln in Mecklenbeck sollen bis zu 40.000 Euro fließen, nach drei Sommern endet die bezahlte Pflege.
  3. 17.08.2026Münster Münster: Straße für Radler doppelt so teuer 3,1 Mio. € Der Umbau einer Straße in Münster mit Vorrang für Radfahrer soll 3,1 Mio. Euro kosten, gut ein Jahr zuvor waren es 1,5 Mio. Euro

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz