Reitstall-Zuschuss trotz zu wenig Jugend
Münster will einem Reiterverein 325.000 Euro für seine Reitanlage geben, obwohl er die Pflicht von 20 Prozent jungen Mitgliedern verfehlt
Was ist passiert?
Wer in Münster als Sportverein bauen will, kann beim städtischen Sportamt einen Zuschuss beantragen. In der Regel übernimmt die Stadt bis zur Hälfte der Kosten, sofern der Verein die Bedingungen der Sportförderrichtlinie erfüllt. Eine davon: Mindestens 20 Prozent Jugendquote. Für 2026 hat das Sportamt 26 Anträge zur Bewilligung vorgeschlagen, entscheiden sollte der Sportausschuss am 17.09.2026.
Der mit Abstand größte Posten auf der Liste gehört dem Reiterverein St. Hubertus Wolbeck. Er will eine neu gepachtete Reitanlage für 650.000 Euro umbauen und soll dafür 325.000 Euro erhalten. Das ist knapp ein Drittel aller vorgeschlagenen Zuschüsse (325.000 von 1.061.050 Euro). 162.000 Euro hatte der Rat bereits über einen Etatantrag zusätzlich bereitgestellt, die übrigen 163.000 Euro sollen aus dem regulären Topf kommen, vorgegriffen auf das Jahr 2027.
Die Jugendquote des Vereins liegt bei 9,33 Prozent. Die Verwaltung schlägt deshalb eine Einzelfallentscheidung vor. Ohne Heimanlage seien Angebote für Kinder und Jugendliche schwer umzusetzen, und das Konzept der neuen Anlage ziele gerade auf diese Gruppe. Es sei daher glaubhaft, dass die Quote bald wieder erfüllt werde. Als zweiten Grund nennt die Vorlage die politische Befürwortung durch den Rat.
Anderswo ist das Geld dafür umso knapper. Wegen der vielen Anträge reichen die Mittel für 2026 nicht, auf das Budget 2027 von 600.000 Euro wird schon mit 379.050 Euro vorgegriffen. Zwei kleine Vorhaben werden ausdrücklich wegen begrenzter Mittel abgelehnt: eine Terrasse für 10.000 Euro und ein Teppichboden für 2.400 Euro. Der Zuschuss für den Reiterverein ist mehr als 50-mal so hoch wie beide abgelehnten Zuschüsse zusammen (325.000 gegen 6.200 Euro). Außerdem wird für alle Vereine erstmals auf den üblichen Puffer von 8 Prozent für Baupreissteigerungen verzichtet. Bei der DJK Grün-Weiß Amelsbüren wiederum legt die Verwaltung die Richtlinie genau aus: Deren drei Anträge werden vertagt, weil die vorgeschriebene Flächensicherung über 25 Jahre noch fehlt.
Kritik
Eine Förderrichtlinie, die schon beim größten Einzelposten außer Kraft gesetzt wird, verliert ihren Sinn. Die Stadt zahlt 325.000 Euro auf das bloße Versprechen, die Jugendquote werde schon noch kommen, während kleinere Vereine aus Geldmangel leer ausgehen und auf jede Absicherung gegen steigende Baupreise verzichten müssen. Wer eine Ausnahme machen will, sollte den Zuschuss wenigstens an das tatsächliche Erreichen der Quote binden und ihn zurückfordern, wenn sie verfehlt wird.
V/0288/2026: Kommunale Sportförderung: Zuschuss für Baumaßnahmen gemäß Sportförderrichtlinie der Stadt Münster, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 5. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.