Theaterticket für Schüler zahlt vor allem Personal
Münster zahlte für sein Schülerticket für Theater, Museum und Kino 86.000 Euro an Personal, aber nur 1.293 Euro an Eintritten
Was ist passiert?
Junge Menschen sollen in Münster leichter ins Theater, ins Museum oder ins Kino kommen. Dafür beschloss der Rat 2022 ein Kulturticket für Schülerinnen und Schüler, mit der Umsetzung wurde die Stadtbücherei beauftragt. Für die Jahre 2023 bis 2026 stellte die Stadt insgesamt 350.000 Euro bereit. Seit Februar 2025 geben 89 Schulen das KULTICK aus, 42.000 Tickets sind inzwischen verteilt. Auf der Rückseite steckt zugleich ein kostenloser Büchereiausweis.
Wohin das Geld fließt, zeigt ein Bericht der Verwaltung für den Kulturausschuss. Die tatsächlichen Kosten seit dem Start im Frühjahr 2025 beziffert die Stadt auf 99.773,73 Euro. Davon entfallen 86.000,61 Euro auf Personal, also rund 86 Prozent. An die Kulturanbieter, deren Eintrittspreise das Ticket eigentlich senken soll, gingen 1.293 Euro. Auf jeden Euro für die Kultur kamen damit rund 66 Euro für Personal (86.000 : 1.293). Testbetrieb der App, Erstproduktion der Tickets und entgangene Büchereigebühren sind in dieser Summe nicht enthalten. Zählt man alle im Bericht aufgeführten Posten zusammen, landet man bei rund 138.900 Euro.
Wie oft das Ticket überhaupt genutzt wurde, weiß die Stadt nicht. Erfasst werden nur bezuschusste Besuche, denn nur diese checken die Kulturpartner per App ein. Für die Zeit bis Ende November listet der Bericht eine Auswahl von 293 solcher Besuche auf. Gemessen an den offiziellen Kosten wären das rund 340 Euro je dokumentiertem Besuch (99.774 : 293). Wer mit dem KULTICK kostenlos ins Museum ging, taucht in keiner Statistik auf.
Die Verwaltung sieht im Ticket dennoch ein wirkungsvolles Instrument zur kulturellen Teilhabe, das stetig erfolgreicher werde. Als Belege führt sie das große Interesse, die breite Beteiligung der Schulen und 2.572 registrierte Büchereiausweise an. Für 2026 sollen mehr bezuschusste Angebote hinzukommen und ein eigener TikTok-Kanal namens „Kulticktok“ für das Ticket werben.
Kritik
Ein Kulturticket, bei dem auf jeden Euro für die Kultur 66 Euro für Personal kommen, verfehlt seinen Zweck. Wer Steuergeld für kulturelle Teilhabe bereitstellt, muss es dorthin lenken, wo junge Leute tatsächlich günstiger ins Theater oder Kino kommen. Mit den 86.000 Euro Personalkosten hätten sich bei Zuschüssen von drei bis sechs Euro je Ticket rund 14.000 bis 29.000 vergünstigte Eintritte finanzieren lassen (86.000 : 6 und 86.000 : 3). Bevor die Stadt das Projekt ausweitet und auf TikTok bewirbt, sollte sie den Verwaltungsaufwand drastisch zurückfahren.
V/0102/2026: Bericht Einführung „Kultick“, ein Kulturticket für junge Menschen, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 2. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.